Pressestimme: Neues Projekt an der FH Bocholt: Das Handy der Zukunft

Dies ist der Online-Bericht des BBV, der auf www.bbv-net.de veröffentlicht wurde. Wenn Sie den originalen Zeitungsbericht lesen möchten, klicken Sie auf die nebenstehende Zeitung. BBV Foto

VON LUDWIG VAN DER LINDE

Das Handy der Zukunft weiß, was für Studierende nach der Vorlesung zählt: Hinweise auf eine gute Pizzeria und ein Tipp, wo es noch Karten fürs Konzert gibt. BBV Foto
FOTO: FH GELSENKIRCHEN

In der Fachhochschule Bocholt ist ein neues Entwicklungs- und Forschungsprojekt angelaufen. „AdMotional“, so der Name, soll durch eine neue Art der Werbung nutzerorientierte Informationen auf Mobiltelefone bringen.

BOCHOLT Noch ist es Zukunftsmusik, aber so oder so ähnlich könnte schon 2011 die Realität aussehen: Ein Student der Fachhochschule in Bocholt kommt aus der Vorlesung. Es ist 17 Uhr und am Abend gibt eine beliebte Rockband ein Konzert. Kaum schaltet der Studierende am Ausgang der Fachhochschule sein Handy ein, teilt ihm das Mobiltelefon mit, dass es noch Karten zum Vorzugspreis an der Abendkasse gibt. Da bis zum Konzertbeginn noch Zeit ist, empfiehlt das Handy dem jungen Mann, sich vorher im besten Dönerladen der Stadt zu stärken.

„AdMotional“ (frei übersetzt: „Mit viel Gefühl“) heißt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das dafür sorgen soll, dass Handy-Nutzer speziell auf sie und ihre aktuelle Nutzersituation zugeschnittene Empfehlungen erhalten. Leiter des Projektes, das jetzt angelaufen ist, ist Professor Manfred Meyer vom Bocholter Fachbereich Maschinenbau der Fachhochschule Gelsenkirchen. Mit im Boot sitzen neben weiteren Professoren, Mitarbeitern und studentischen Hilfskräften der Bocholter FH ein Oberhausener Unternehmen, das Gelsenkirchener Fachhochschulinstitut für Journalismus und Public Relations sowie in Kooperation die Uni Bonn.

Meyer und seine Mitstreiter machen sich bei ihrer Arbeit die heutigen technischen Möglichkeiten der neuen Generation von Handys zu nutze. Mit dem Handy surft der Nutzer nicht nur im Internet, sondern die Mobiltelefone können auch auf weniger als Hundert Meter genau den Aufenthaltsort ermitteln. Diese beiden Faktoren ermöglichen, dass Handy-Werbung auf den Nutzer persönlich und auf seine aktuelle Erlebnissituation zugeschnitten wird. Bisher aber nur theoretisch. Meyer: „Unsere Aufgabe besteht in den kommenden Monaten darin, die informationstechnischen Regeln zu erarbeiten, die Handy und Internetserver wissen müssen, um eine Dienstleistung wie im Beispiel beschrieben auf Wunsch bereitzustellen.“

Bedenken von Datenschützern gegen diese Form der Werbung kann Meyer verstehen. Der Professor betont aber, dass die gesammelten Informationen nicht Personen bezogen sind. „Das Handy weiß nicht, wer am Apparat ist.“ Außerdem könne jeder Besitzer frei entscheiden, ob er das Angebot des Dienstleisters nutzen wolle oder nicht. Meyer über die Vorteile: „Man wird nicht mit Werbung überflutet, sondern diese Werbung passt sich den Bedürfnissen des Nutzers an.“ Durch zusätzliche Forschungen soll ermittelt werden, ob die entwickelten Muster auch positive Emotionen beim Anwender auslösen. Denn eines soll diese Art der Werbung nicht: nerven.

Info: Eine Million Euro
Das Projekt kostet rund eine Million Euro. Der Anteil der Fachhochschule beträgt nach eigenen Angaben daran mehr als ein Drittel. 342000 Euro davon kommen aus Mitteln der EU und des Landes Nordrhein-Westfalen. Ende 2010/Anfang 2011 soll das Projekt marktreif und dann von einem Unternehmen aus Oberhausen angeboten werden.